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Auf anhaltenden Druck der Gewerkschaften hin gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2015 ein Mindestlohn, obwohl Tarifverträge auf Branchenebene, die weniger als den Mindestlohn zahlen, bis zum 1. Januar 2017 gültig bleiben. Eine Mindestlohnkommission, die sich aus Vertretern der Gewerkschaften und der Arbeitgeber zusammensetzt und externe Experten berät, macht Vorschläge für eine Erhöhung des Satzes unter Berücksichtigung der Erhöhung der kollektiv ausgehandelten Lohnsätze. Diese Vorschläge werden der Regierung vorgelegt, die die endgültige Entscheidung trifft. Dieser Abwärtstrend ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass Arbeitgeber die Arbeitgeberverbände verlassen oder alternativ in ihnen bleiben, ohne an die von ihnen unterzeichneten Vereinbarungen gebunden zu sein (sogenannte OT-Mitgliedschaft), sowie darauf, dass neue Unternehmen entstehen und bestehende verschwinden. (Neue Unternehmen sind seltener an Vereinbarungen auf Branchenebene gebunden als bestehende.) Der Rückgang der Berichterstattung scheint in Ostdeutschland gestoppt zu haben, wo er seit 2012 weitgehend stabil geblieben ist, aber er hat sich in Westdeutschland fortgesetzt, wo die Gesamtverhandlungsabdeckung 2018 um 4 Prozentpunkte niedriger war als 2012. [7] Der Tarifvertrag gilt nur für Arbeitnehmer, die als Leiharbeitnehmer bei einem Kunden arbeiten. Selbständige oder Arbeitnehmer, die auf der Grundlage eines Arbeitsvertrags arbeiten, sind nicht erfasst. Die Art der (gewerblichen oder industriellen) Tätigkeit des Zeitarbeitnehmers ist unerheblich. Das bedeutet, dass ein Büroangestellter, der in einem Industrieunternehmen arbeitet, auch Anspruch auf Industriezuschläge hat.

Dieses System, bei dem Tarifverhandlungen in erster Linie auf Industrieebene und nicht am Arbeitsplatz stattfinden, wird traditionell als eine der Stärken des deutschen Systems angesehen. Sie hat das Potenzial, Konflikte über Löhne und Bedingungen auf Branchenebene zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden aufzuhalten, während auf Arbeitsplatzebene einzelne Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter – die Betriebsräte (siehe Abschnitt zur Vertretung am Arbeitsplatz) – kooperativere Beziehungen entwickeln können. Konjunkturabschwung, Digitalisierung, Klimawandel: Die Metall- und Elektronikindustrie hat nicht nur wegen der Corona-Krise mit massiven Problemen zu kämpfen. Für die IG-Metall ist dies jedoch kein Grund, ihre Lohnforderungen zu senken. Bis vor kurzem war eines der Grundprinzipien der Verhandlungen, dass ein Arbeitgeber nur durch eine Vereinbarung abgedeckt werden kann. Nur in wenigen Ausnahmefällen konnten bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte, Piloten oder Lokführer mit erheblicher Verhandlungsmacht nur für sie getrennte Vereinbarungen aushandeln. In einem Urteil vom Juni 2010 entschied das Arbeitsgericht jedoch, dass eine Person zwar nur unter eine Vereinbarung fallen könne, aber mehrere Vereinbarungen innerhalb desselben Unternehmens nebeneinander bestehen könnten. Aus Angst, dass dies zu einer stärkeren Zersplitterung der Verhandlungen führen könnte, führte die Regierung 2015 neue Gesetze ein, die vorsah, dass bei einem Konflikt zwischen konkurrierenden Gewerkschaften die mit der größeren Gewerkschaft am Arbeitsplatz unterzeichnete Vereinbarung gültig wäre.